Mein Salvia-Trip
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Kapitel 4 von 6

Nach dem Salvia-Trip, die erste Stunde und das Gespräch zu zweit

Die erste Stunde nach Salvia, wie Person und Sitter ihre beiden Erinnerungen zusammenlegen und wann ein Gespräch mit einer Beratungsstelle sinnvoll ist.

Aktualisiert:

Nach einem Salvia-Trip ist die Wirkung meist nach 20 Minuten vorbei, die Sitzung aber noch nicht. Leichte Nachwirkungen halten beim Rauchen 15 bis 60 Minuten an (ADF), und die Erinnerung an die stärksten Minuten ist oft lückenhaft. In dieser Zeit entscheidet sich, ob aus einzelnen Bildern ein Erlebnis wird, das man einordnen kann. Dafür braucht es beide: die Person mit ihren inneren Bildern und den Sitter mit seinen Beobachtungen.

Die erste Stunde

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Solange noch Nachwirkungen da sind, bleibt alles ruhig und einfach. Keine Entscheidungen, keine Nachrichten, kein Ortswechsel.

Ich

Bleib sitzen, bis du dich sicher fühlst. Trink Wasser. Viele merken erst jetzt, wie stark es war, und brauchen ein paar Minuten, um wieder in den eigenen Körper zu finden. Es ist normal, wenn du erst einmal gar nichts sagen willst oder umgekehrt sofort alles erzählen möchtest.

Sitter

Bleib im Raum, bis die Person klar spricht, sicher geht und selbst sagt, dass sie fertig ist. Niemand fährt Auto oder Rad, auch nicht zum nächsten Kiosk. Schreib deine Notizen jetzt fertig, solange die Reihenfolge noch frisch ist.

Warum es zwei Erinnerungen braucht

In der MacLean-Studie wurden den Teilnehmenden während der Wirkung Wörter vorgelesen. Hinterher erinnerten sie sich an diese Wörter deutlich schlechter, je höher die Menge war. Zwei Personen, die sehr stark reagierten, wussten nach dem Abklingen nichts mehr von ihren Bewegungen (MacLean 2013).

Für das Nachgespräch heißt das: Die Person hat die inneren Bilder, aber keine Uhr und oft kein Wissen darüber, was ihr Körper getan hat. Der Sitter hat die Uhr und die Beobachtungen, aber keinen Zugang zu den Bildern. Erst zusammen ergeben beide Spuren den Ablauf.

So läuft das Gespräch

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Das Gespräch kann direkt nach der ersten Stunde stattfinden oder am nächsten Tag. Wichtig ist die Reihenfolge.

Ich

Du erzählst zuerst, ohne zu ordnen und ohne dich zu rechtfertigen. Bilder, Farben, Gestalten, Gefühle, auch Bruchstücke, die keinen Sinn ergeben. Wenn dir Worte fehlen, beschreib Formen oder Bewegungen. Niemand muss etwas deuten.

Sitter

Du hörst zuerst nur zu. Danach erzählst du, was du gesehen hast, in der Reihenfolge deiner Notizen: „Um 21:12 hast du ausgeatmet. Um 21:13 hast du nach rechts geschaut und gelacht. Um 21:15 wolltest du aufstehen.“ Beschreiben, nicht bewerten. Was komisch aussah, war von innen vielleicht ernst.

Fragen, die weiterhelfen

Diese Fragen helfen, die beiden Spuren zusammenzulegen:

  • Was war das Erste, das du bemerkt hast, und wann war das nach meiner Uhr?
  • Gab es einen Moment, in dem du wusstest, wo du bist?
  • Hast du meine Stimme gehört, und wie klang sie?
  • Was war der Moment, in dem du gemerkt hast, dass es nachlässt?
  • Gab es etwas, das ich anders hätte machen sollen?
  • Was würdest du beim nächsten Mal am Raum ändern?

Die letzten beiden Fragen sind für den Sitter genauso wichtig wie für die Person. Sie verbessern die Absprachen für eine nächste Sitzung.

Was der Sitter vermeiden sollte

  • Das Erlebte deuten oder erklären, was es „bedeutet“.
  • Witze über das, was gesagt oder getan wurde, besonders vor anderen.
  • Fotos, Videos oder Erzählungen in Gruppenchats.
  • Die Person drängen, sofort darüber zu reden, wenn sie das nicht will.

Der nächste Tag

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Die meisten Menschen spüren am nächsten Tag nichts mehr von der Wirkung. In einer Befragung von 500 Konsumierenden berichteten 4,4 Prozent von negativen Folgen, die 24 Stunden oder länger anhielten, am häufigsten Angst (Baggott 2010). In einer kontrollierten Studie fanden sich bei acht Teilnehmenden nach einem Monat keine anhaltenden negativen Effekte (MacLean 2013). Die ADF beschreibt seltene Flashbacks, also kurze Sehverzerrungen lange nach der Einnahme (ADF).

Ich

Wenn dich ein Bild aus der Sitzung weiter beschäftigt, ist es gut, es noch einmal mit dem Sitter durchzugehen. Lass dir Zeit, bevor du überlegst, ob es eine weitere Sitzung geben soll.

Sitter

Melde dich am nächsten Tag kurz. Eine Nachricht wie „Wie geht es dir heute?“ reicht. Wenn die Person unruhig ist oder schlecht schläft, nimm das ernst und hör zu.

Wann eine Beratungsstelle sinnvoll ist

Wenn Angst, Unruhe oder bedrückende Gedanken nach einigen Tagen nicht nachlassen, ist ein Gespräch mit einer Fachstelle sinnvoll. In Deutschland bietet drugcom.de, ein Angebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, eine anonyme Chat-Beratung an. Auch örtliche Drogenberatungsstellen bieten persönliche Gespräche an. In den Niederlanden beantwortet die Drugs Infolijn des Trimbos-Instituts unter 0900 1995 Fragen zu Drogen (Trimbos DRUGSinfo).

Wie sich eine Sitzung aus beiden Blickwinkeln anhört, zeigen die zwei Protokolle. Den Ablauf Minute für Minute beschreibt der Verlauf.